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Neustart

Neustart für mich persönlich und bei kanthari: Während ich noch zu verdauen versuche, dass mein 13-monatiger Visakrimi ein unerwartetes Happy end hatte und ich hier nun wirklich legal arbeiten kann treffen in den letzten Tagen die Teilnehmer des neuen Kurses ein. Plötzlich bekommen Stimmen Gesichter und erste Anzeichen von unterschiedlichen Persönlichkeiten werden sichtbar. Unser Kursziel sind immer 25 Leute und aus Erfahrungen der letzten Jahre hatten wir diesmal 31 zugesagt in der realistischen Erwartung, dass nicht alle ihr Visum und/oder Reisefinanzierung hinbekommen würden. Dies trat auch ein: ein Teilnehmer wurde von seiner Familie dermassen unter Druck gesetzt, dass er mit dem geliehenen Geld lieber heiraten solle als zu uns zu kommen und knickte ein, eine andere stellte schon 6 Wochen vor Kursbeginn ihre Fundraising Bemühungen ein, weil sie der Meinung war, sie schaffe es nicht. Solche Abmeldungen bereuen wir nicht, da hier offensichtlich doch der strakte Wille fehlt, es bis Indien zu schaffen und diesen Kurs zu besuchen. Wir müssen dazu sagen, dass wir noch immer eine finanzielle Lösung gefunden haben, wenn jemand bis zuletzt nachweislich alles versucht, um das Geld aufzutreiben und es dann nicht schafft. Wir strecken es vor und er/sie kann es bei uns "abarbeiten". Zur Erinnerung: die Teilnehmer bekommen zwar ein Stipendium, müssen aber Flug, Visum, persönliche Ausgaben selber bezahlen und auch ein Depot hinterlegen für Notfälle. Andere Situationen hingegen berühren uns schon, wenn zum Beispiel eine pakistanische Teilnehmerin in den Untergrund gehen muss, da ihr Vater von der Geheimpolizei (nimmt sie an, so genau weiss man wohl gar nicht, wer einen da jagt) gesucht wird. Ein wirklich verzweifeltes mail, wo man spürt, wie schwer es ist, die persönlichen Pläne im Kontext der unsäglichen Situation im Lande zurückzustellen. Und auch unser erster Teilnehmer aus dem Jemen, bei dem lange nicht klar war, ob er das Visum fristgerecht bekommt, dann alles parat war bis er vorgestern kurz vor Abflug mit seinem Onkel, Tante und Cousin im Auto sass, einen Unfall hatte und nur er mit dem Leben davonkam. Wir wissen bis heute nicht, ob er trotzdem kommen kann, hoffen es natürlich sehr. Oder auch die Palästinenserin aus dem Gaza Streifen, die zwar Chancen sah, das Visum zu bekommen, obwohl das ausserhalb des Gazastreifens ausgestellt wird, aber leider die Grenzen geschlossen sind, so dass sie gar nicht ausreisen kann. Dies alles sind Fälle, wo es uns um die Personen, ihre Hoffnungen und geplanten Projekte sehr leid tut und wir nur wünschen können, dass sie sich im kommenden Jahr wieder melden und sich die Situationen in den entsprechenden Ländern verändert. Aber 19 haben es bereits geschafft, 4 weitere kommen im Laufe dieser Woche und bei zweien ist noch unsicher, ob Ticket kommt bzw. Visum. Seit letzten Donnerstag also tröpfeln sie in den Campus und es ist interessant, wie sie sich in den ersten Tagen "beschnuppern". Wir haben nur Zweierzimmer und kombinieren sehr sorgfältig nach Herkunftsland und Charakter. Je unterschiedlicher, je besser. Die extrovertierten holen die Schüchternen aus dem Schneckenhäuschen, die Mütterlichen nehmen die Blinden unter die Fittiche und der Moslem muss sich mit dem gläubigen Christen auseinandersetzen. Dieses Jahr kommen die Teilnehmer aus 12 Ländern: Indien, Nepal, Myanmar (Burma), Mauritius, Serbien, Yemen, Uganda, Kenya, Zimbabwe, Nigeria, Gambia und Ghana. Heute Morgen war die erste informelle Vorstellung, damit mindestens jeder Name und Herkunftsland der anderen kennt, wir waren mit Booten auf dem See, haben internet eingerichtet, damit das erste Mal mit zuhause geskypt werden kann und heut Abend gibt es ein besonderes Willkommensdinner. Die erste Woche des Kurses steht unter dem Titel "Welcome to the jungle" und beinhaltet neben administrativen Dingen wie Registrierung, indische SIM-Karte etc. v.a. die Ausarbeitung eines "Code of Conduct", also Regeln fürs Zusammenleben, einen eintägigen Kurs über interkulturellen Dialog und - ganz wichtig und immer auch für ein paar Lacher oder Entsetzen gut: "love on Campus". (Für Interessierte: im Prinzip gilt das Motto "hold the horses", aber ja, es gibt eine Kondombox!) Zusätzlich sollen die Teilnehmer sich zusammentun und ihre Talente entdecken. Bis kommenden Sonntag müssen sie eine Talent Show vorbereiten, wo jeder sich auf sehr individuelle Art vorstellt. Aber auch wir, das kanthari Team, stellt sich auf besondere Art vor. Da wir in diesem ersten Akt (von fünfen) in einem virtuellen Land namens Tansalesea leben werden hat jeder von uns eine Rolle. Welche ich habe werdet ihr kommende Woche erfahren...

11.5.14 10:28

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