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Die Bürokraten lassen grüssen!

Nein, kein neuer Zusammenstoss mit den indischen Behörden - die Tansalesischen Beamten sind gemeint. Wie letzte Woche bereits angetönt mussten die Teilnehmer die Minister und mich als Oppositionsführerin interviewen. Wir haben es ihnen sehr schwer gemacht - waren aber realistische Gesprächspartner. Es gab den Schweigsamen, dem man jede Antwort aus der Nase ziehen musste, die Dauerrednerin, bei der man kaum mehr als eine Frage anbringen konnte (ich), den Selbstgefälligen, der nur über die Errungenschaften seines Ministeriums reden wollte, den super Beschäftigten, der ständig unterbrochen wurde (Lis hat die Sekretärin von Governor Krown gespielt und kam alle 2 Minuten mit einem neuen Vorwand ins Büro). Gestern haben wir ihnen die aufgenommenen Gespräche vorgeführt und unter viel Gelächter kritisch beurteilt, danach stand Interviewtechnik im Lehrplan.

Ich als Gründerin der TrueDT versuchte also, jeden der Interviewpartner mittels einer Unterschrift als Parteimitglied zu gewinnen - mit sehr bescheidenem Erfolg. Nach dem zustimmenden Applaus bei meinem ersten Auftritt waren die meisten nun sehr vorsichtig und meinten, die soziale Arbeit einer NGO geht mit politischer Stellungnahme nicht zusammen. Ich argumentierte, dass es NUR über politische Arbeit Veränderungen im Land geben würde, hatte aber am Schluss nur 6 Unterschriften. Interessant ist nun aber, dass viele der Teilnehmer sich als Babutheisten bezeichnen, weil der Minister, der sie registriert und ihnen Büros vermietet, Babu Priester ist. Sie erhoffen sich also Vorteile, wenn sie sich als Gläubige bezeichnen und sind dabei der Religion gegenüber sehr viel unkritischer als gegenüber meiner Oppositionspartei. Denn Babutheismus ist sehr traditionell ausgestaltet (Mann und Frau haben jeder ihre naturgegebene Rolle) und steht auch Okkultismus nahe. Wir schauen jetzt mal, wie weit sie gehen in ihrer Gefolgschaft und werden ihnen dies zu gegebener Zeit per Medienskandal vorhalten.

Recherche war das dominierende Thema der letzten Woche und wurde geübt, via Internet, sozialen Medien und eben auch primären Methoden wie Interview. Zusätzlich musste jeder Teilnehmer seine erste "Dream Speech" halten. Also sich und sein geplantes Projekt in freier Rede in 10 Minuten vorstellen. Am Freitag und Samstag wurde dann zum ersten Mal am Auftritt gearbeitet, an Stimme, Haltung etc. Viele der Teilnehmer haben grosse Hemmungen, laut und deutlich zu sprechen. Wenn dann noch ein starker Akzent dazu kommt, kann man sie kaum verstehen, was schon mal zu ziemlich peinlichen mehrfachen Rückfragen führen kann.

Lis hat sich in die Aufgabe gestürzt, den Teilnehmern nicht nur excel näherzubringen, sondern mit ihnen im Schnellverfahren (sie ist nur drei Wochen hier) in die Geheimnisse des Budgetierens und der Buchhaltung einzuführen. Die grosse Frage war, wie sie die drei blinden Teilnehmer einbeziehen könnte, für die excel-Tabellen sehr abstrakt sind und die auf dem Computer nur mit Pfeilen und Tabs arbeiten. Lis hat also jeden Mittag noch eine Stunde spezielle "Blindenschulen" veranstaltet und selber auch viel gelernt. Unter anderem, wie unglaublich gut Blinde sich konzentrieren können und Dinge memorieren. Eben kommt sie von einer excel-Nachhilfestunde zurück und erzählt, dass unsere indische Teilnehmerin, die noch sehr mit dem Englischen kämpft, in ihrem Budget den Posten "snakes" stehen hatte. Lis hat angeregt, dazu vielleicht eine Fussnote zu verfassen, da dem potentiellen Spender nicht klar sein dürfte, wofür sie Schlangen braucht. Worauf die kleine Inderin etwas verzweifelt meinte: "Snacks" - ahaaa!

Letzten Donnerstag kam Till nach Trivandrum, um seine 6-wöchigen Semesterferien hier zu beginnen. Da er aus dem viel kühleren Höhenklima kommt, leidet er momentan noch sehr unter der Hitze und Feuchtigkeit. Aber er hat ein Zimmer für sich mit direktem Zugang zur Terrasse, wo eine Hängematte schaukelt, so dass er sich nicht viel bewegen muss, um zu 'chillen'. Er kommt mittags (d.h. nach dem Aufstehen) zum Essen in den Campus, nachmittags chattet er oder hört Musik. Gestern war er beim Frisör um die Ecke und hat sich für 60Rupien (=1 Franken) einen guten Haarschnitt geleistet. Freitag gehen wir in die Stadt, Samstag mal ans Meer Fisch essen und am Montag fliegt er schon nach Zürich. Sein Zeugnis sieht sehr gut aus und in der 11. Klasse bekommt er neue Lehrer, was ihn im Grossen und Ganzen freut.

Ich habe mit Lis und Till also zum ersten Mal "full house" hier und geniesse es sehr, abends Gesprächspartner und Diskussionen zu haben statt das Buch auf dem Sofa.

27.5.14 18:52

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