Letztes Feedback

Meta





 

Tag der Deutschen Einheit

Vor zwei Wochen kam eine nette Einladung des hiesigen Goethe-Instituts zu einem 3. Oktober-Anlass am 'Pool'. Ich stellte mir eine entspannte Pool Party vor, Meeresrauschen im Ohr, wo deutsches Bier und Essen gereicht wurde und man vielleicht noch den einen oder anderen deutschen Expat kennenlernen könnte.

Als ich gestern die Einladung nochmals genau las stellte ich fest, dass das Hotel, das ich in Kovalam, also am Strand gewähnt hatte, in der Stadt lag (gehörte zur gleichen Kette). Also kein Meeresrauschen. Mein Kollege Graham, der sich netterweise bereit erklärt hatte, mitzukommen, und ich fuhren also durch den Feierabendverkehr (hier wird am Samstag gearbeitet!) zu dem 5 Sterne Hotel, wo uns mannshohe Mercedes Poster begrüssten: der Hauptsponsor des Anlasses.

Es war nun schon 19.30h und wir waren hungrig. Von Bier und Essen aber keine Spur, vielmehr waren um die 100 Gäste in einem unterkühlten Hotelsaal versammelt, um sich verschiedenste Reden anzuhören. Eben gerade bedankte sich der Leiter des Goethe Instituts mit vielen, sehr emotionalen Worten für eine Auszeichnung, die er wohl gerade erhalten hatte und die nun an seinem Revers baumelte.

Hinter ihm auf der Bühne war ein grosses Banner gespannt zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung, eingerahmt nochmals von Mercedes. Danach sprach ein Keralischer Minister erfrischend unbekümmert von seiner ersten Reise nach Berlin, wo ihn ein Kollege doch tatsächlich gefragt habe, was das eigentlich immer solle, das Gerede von der Berliner Mauer, er habe sie jedenfalls bisher noch nicht gesehen.

Als dieser Herr vom Pult wegtrat waren wir sicher: jetzt kommt der kulinarische Teil des Abends. Aber nein, die Dame des Goethe Instituts, die mit strengem deutschem Akzent und wenig Inspiration durch den Abend führte, kündigte das musikalische Rahmenprogramm an: ein Duo bestehend aus einer Schweizer (!) Sängerin und einem Deutschen Schlagzeuger, die uns sicher mit ihrer Energie und ihrem Jazz begeistern würden. Ich schlich mich kurz aus dem Saal, um mich zu vergewissern, dass irgendwo tatsächlich Essen angeboten werden und sich das Warten lohnen würde und wurde vom Buffetmeister informiert, dass sie die Gäste in 30 Minuten erwarteten.

Zurück im Saal boten die beiden Musiker eine höchst ungewöhnliche Vorstellung: Sie sang weniger, als dass sie Geräusche von sich gab und ihr Partner trommelte dazu auf vielen unterschiedlichen Gegenständen. Die Inder sassen mit stoischen Gesichtern auf ihrem Platz und hielten das vielleicht für typisch deutsche Musik. Ich fand die Wahl der Einlage äusserst gewagt für das sicher eher traditionelle Publikum. Die 'Musik' gefiel mir überhaupt nicht, war zu experimentell, der Rahmen falsch, der Kontext nicht gegeben. Höflicher Applaus.

Dann, endlich, die Aufforderung, ans Buffet zu treten. Dort eine abenteuerliche Mischung aus "deutschem" und indischem Essen. Deutsch in Anführungszeichen, weil es eher indisch auf deutsche Art gekocht war: Kartoffelsalat mit Babykartoffeln (sehr lecker), Hackbällchen in Sahnesosse, Birnenauflauf. Alles gut, aber wo war das Bier? Wir suchten und fanden es schliesslich in der angrenzenden Bar: hier Alkohol und kein Essen, drüben nur Essen und Wasser. So ist das in Kerala, kein ungezwungenes Verhältnis zu Alkohol.

In der Bar, beim indischen! Bier, trafen wir dann auch auf ein paar nette Menschen, neben dem Konsulpaar aus Bangalore, das wir schon mehrfach bei uns in kanthari begrüssen durften auch ein paar andere Deutsche, die aus verschiedenen Gründen in Indien hängengeblieben sind.

Nach dem Bier sind wir dann zurück zum Campus und haben uns über diesen etwas surrealen Abend gewundert, der irgendwie so gar nicht deutsch und dann doch wieder sehr deutsch war.

4.10.15 17:27

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen