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kanthari Bytes

Samstag
Ich muss doch sagen: selten habe ich so viele (unterschiedliche) Reaktionen auf einen blog bekommen wie auf den letzten….wusste ich doch, dass ich euch mit einer simplem Scheraktion aus dem Häuschen locken kann…..

Seitdem ist eine Woche vergangen und ich gewöhne mich langsam an das freie Gefühl, die kühle Brise auf der Kopfhaut und das schöne Duschen mit Kopfeinschäumen und -abspülen in 3 Sekunden. Erst war die Kopfhaut wie etwas taub (auch geschockt?), aber nun fühlt sie sich besser an, glatter, durchbluteter. Ich muss mir immer wieder über den Kopf streichen, so eigenartig ist es. Und nachdem ich ursprünglich dachte, mein Kopf sei zu klein oder nicht gut geformt für diese Aktion muss ich nun sagen, dass ich finde, es steht mir nicht schlecht.
Ich werde die Stoppeln morgen nochmals rasieren, damit die Haut noch etwas Sonne tanken kann, bevor ich die Haare dann wachsen lassen werde.

Leider hatte ich es versäumt, mir einen Vorrat an leichten Hüten zuzutun. Da wir letzte Woche viel Besuch hatten und heute ja der Abschlussanlass des 3. Aktes ansteht habe ich mich also fast jeden Morgen mit Turbanbinden befasst. Eigentlich ganz einfach, nur um den Kopf gewickelt und sogar die glatteste Seide hält. Leider ist es dann so warm wie vorher mit den Haaren, so dass ich mich darauf freue, etwas längere Stoppeln offen zur Schau tragen zu können. Mein Kollege meinte zudem, ich sähe aus wie ein Jar, eine Art Sikh mit einer speziellen Art, den Turban zu binden. Und religiöse Komplikationen möchte ich nun wirklich nicht provozieren.

Die Reaktionen - hier auf dem Campus wie auch zuhause - waren im übrigen sehr unterschiedlich. Der eine oder die andere hat sich als ebenfalls von einem Kahlschlag Träumende/r geoutet, andere natürlich sahen nur das Fehlen der Haare, nicht die gewonnene Freiheit oder den Reiz des Experimentes. Aber in einem Land, wo lange Frauenhaare fest zum Schönheitsideal gehören, haben sich die meisten meiner indischen Kollegen höflich zurückgehalten, weil sie sonst wahrscheinlich ihr Entsetzen hätten zum Ausdruck bringen müssen.

Heute nun erwarten wir an die 150 Gäste, 60 davon Kinder, die mit uns den Abschluss des 3. Aktes feiern werden. Die Kinder haben sich Wochen darauf vorbereitet und werden mit verschiedenen Stilmitteln (Theater, Gesang, Gedichte, Mimik) Themen vorstellen, die ihnen am Herzen liegen. Dies sind in Indien Themen wie Kinderarbeit, Ausgrenzung wegen Hautfarbe, Abfall, Essen und Gesundheit und last but not least die Rolle der Frau in der Gesellschaft. Ein Teil unserer Gruppe hat dies mit ihnen entwickelt. Die anderen Gruppen werden die Ergebnisse ihrer Projekte vorstellen: den kanthari Eco Garden, Anti-Plastik und Hautfarben Kampagnen und den online Shop.

Gestern haben wir in den Teams den ganzen Akt bewertet und es war bemerkenswert, was da über Kommunikation, Teamarbeit und Führungsstile gelernt wurde. Die alleinige Verantwortung und unsere Zurückhaltung, die zu diversen Fehleinschätzungen und -entscheidungen führte, war extrem lehrreich.

Zwei Gruppen hatten zwei Projekte zu bearbeiten. Die eine entschied bereits nach kurzer Diskussion, sich zu teilen und die beiden Aufgaben autonom zu bearbeiten. Das klappte gut, führte aber auch zu Spannungen in der Gruppe, da die Kommunikation nicht so ganz klappte. Die andere (meine) Gruppe wollte alles zusammen machen. Je nach Aufgabe teilten sie sich auf. Das war phasenweise natürlich sehr chaotisch und auch nicht sehr effizient, aber letztendlich haben sich alle Gruppenmitglieder mit beiden Projekten voll identifiziert und der Team Spirit blieb voll erhalten.

Sonntag
Der Anlass war super, das Wetter hat mitgespielt und den Regen der vorangegangenen Tage ausgesetzt. Die Kinder waren erstaunlich, viele kleine Talente und auch ihr Englisch war sehr gut. Alles lief wie am Schnürchen und um 19 Uhr war schon wieder alles aufgeräumt und es gab Abendessen. Wir vom Catalyst Team haben eine grosse Torte (Schwarzwälder Kirsch!) spendiert. Danach sind 12 Teilnehmer und Catalysts ins nächstgelegene Hotel gefahren, das ein Bar hat, und haben noch eine Runde Bier getrunken und - was mir besonders Spass macht - Billard gespielt.

Jetzt um 21 Uhr sitze ich schon in einer kleinen Pension in Varkala, einem Badeort ca. 1 Zugstunden von Trivandrum. Bis Mittwoch bleibe ich, werde viel schlafen und mein letztes dickes Buch anfangen. Morgen kommen Claudia und Enrique dazu, sie haben die letzte Woche eine kleine Rundreise in Südindien gemacht und fliegen am Donnerstag schon wieder zurück. Kommenden Montag fängt dann der 4. Akt an, der letzte in Indien. Der finale 5. Akt ist die Implementierung der Initiativen zuhause.


11.10.15 17:35

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