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Vellayani Amigos

Ich habe schon mehrfach unsere sogenannten "Halbstarken" erwähnt, eine Gruppe junger Männer, die in unserer Nachbarschaft wohnt, teils sicher arbeitslos ist und sich allabendlich nicht weit vom Campuseingang trifft. Sie sind immer freundlich, wünschen auf Englisch einen guten Abend/Morgen und sorgen an Feiertagen auch für Strassenschmuck - ich hatte die Blumenbilder zu Onam und auch mal eine schöne Krippe zu Weihnachten hier im blog gezeigt.

Ich weiss nicht recht, wie sich das Thema Fussball zwischen meinem Englischen Kollegen und ihnen ergeben hat - Tatsache ist, dass der Entschluss gefasst wurde, im Sinne der Nachbarschaftshilfe ein örtliches Fussballteam zu gründen und zu unterstützen. Mein Kollege hat mehrfach in seinem Leben Fussballteams gecoacht und sich mit Begeisterung in diese neue Aufgabe gestürzt. Ihm zur Seite stehen nicht nur zwei fitte Afrikanische Teilnehmer, sondern auch eine Afrikanische Teilnehmerin und unsere junge (blonde) Deutsche Volontärin.

Am Anfang überwog bei uns die Skepsis: wir dachten, die jungen Männer würden nach ein paar anstrengenden Trainingseinheiten langsam aufgeben oder nur darauf warten, ein Trikot gesponsert zu bekommen, aber dem ist nicht so: Seit rund zwei Monaten sind sie zweimal in der Woche am Trainieren - am Mittwoch abends in der Nähe auf dem Gras, bis der Coach nach Sonnenuntergang nur noch Schatten umhergeistern sieht. Und am Samstag morgens um 7h am Beach mit zwei richtigen Toren. Ein Trainingsgelände zu finden, stellte sich fast als schwierigste Aufgabe heraus, überall hier ist es uneben, der viele Regen tut ein Uebriges zum Boden und Fussball gehört sowieso nicht zu den favorisierten Sportarten der Inder.

Die Fitness der Spieler stellte sich als sehr unterschiedlich und generell als nicht sehr gut heraus - wie auch, wenn man v.a. rumsitzt oder mit dem Motorrad herumfährt. Mit einem harten Training ist aber anscheinend echter Fortschritt zu spüren. Dieser war am grössten, als wegen diverser Verpflichtungen meines Kollegen die beiden Damen das Training für zwei Wochen übernahmen und dabei fantastische Erfolge vorwiesen. Dies wurde dem Coach und seinen männlichen Helfern natürlich genüsslich unter die Nase gerieben.

Die Spieler waren so schlau, gleich zu Anfang ein lokales Turnier zu erwähnen, in dem sie gerne mitspielen würden. Erst hiess es Ende September und setzte den Coach ganz schön unter Druck, dann Mitte Oktober und inzwischen redet keiner mehr von einem genauen Datum. Tatsache ist aber, dass die Mannschaft eine Ausrüstung braucht. Die ersten Bälle wurden von unserem Schweizer Gast-Catalyst gespendet, für weitere 5 wurde im kanthari Team gesammelt. Dann aber kam das Thema des Trikots. Und damit das des Namens. Die Spieler selber haben von Anfang an auf dem Namen "Amigos" bestanden. Warum spanisch, blieb uns sozusagen spanisch, irgendeiner hatte herausgefunden, dass dies "Freunde" heisst und das gefiel ihnen. Wir konnten sie aber davon überzeugen, dass Fussballteams normalerweise einen lokalen Bezug haben, v.a. wenn sie an Turnieren teilnehmen und verortet werden sollen. Nach einigem Hin und Her war also der Name "Vellayani Amigos" geboren, auf unseren schönen See verweisend.

Und plötzlich sah ich mich in der Rolle, dass ich abends Fussballtrikot- und -hosenschablonen aus dem internet herunterlud und diese nach den Wünschen der Herren designte. Dass ich zwar in der Designbranche gearbeitet habe, selber aber keine Designerin bin kümmert hier keinen - es war ein klarer Job für mich. Ein halbes Dutzend Vorschläge später verabschiedeten die jungen Herren schliesslich eine schöne schwarz/weiss-Lösung, vorne mit ihrem Namen, hinten mit kanthari-Logo, Nummer und dem neu erfundenen Slogan "Game Changer" (etwa Spielveränderer).

Dazu auch eine schöne Geschichte: da wir meinten, wegen des Turniers unter Zeitdruck zu stehen rief ich einen Wettbewerb unter meinen Kollegen aus zur Kreation eines Slogans, der sowohl zu kanthari wie auch zu Fussball passt - Gewinn eine Tafel Schokolade. Die Teilnahme war gross, vom Koch über Elektriker bis zum Catalyst wurden Zettel eingereicht. Es stellte sich aber heraus, dass alles, was unser Muttersprachler so hervorbrachte von den Indern total falsch verstanden wurde (z.B. verwechselten sie die Bedeutung von "kick off" mit "kick out"), und das, was von unseren Indern verstanden wurde, ein haarsträubendes Englisch war (etwa "Kick to Goal"). Ich rief eine unabhängige Jury zur Hilfe (Sabriye, Paul und ein neuer Mitarbeiter) und die einigten sich schliesslich auf "Game Changer". Dies war mein Vorschlag, so dass die Schokolade zuhause blieb

Inzwischen werden die Trikots fabriziert, Sponsoren dafür sind gefunden worden. Wir suchen noch Fussballbegeisterte, die die Schuhe sponsorn würden: für alle zusammen nur 100Euro… Die ganze Ausrüstung für 15 Spieler kostet hier nur 300Euro. Und dann warten wir auf das erste richtige Spiel, in dem die Jungs sich an anderen lokalen Teams messen müssen und wir endlich wissen, wie gut sie wirklich sind.
Sie revanchierten sich übrigens für unser Engagement, indem sie am vergangenen Anlass 'kanthari Bytes' nicht nur vollständig erschienen, sondern auch eine tolle Tanzeinlage boten.

18.10.15 14:31

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