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Unterwegs mit Katja

Katja hatte im Januar angesichts der dünnen Schneedecke im Wallis beschlossen, statt Ski- lieber Tropenferien zu machen und spontan 10 Tage Kerala gebucht. Es war ihre erste Tropen- und auch Asienerfahrung und entsprechend beeindruckt kam sie schon nach der Rickshaw-Fahrt vom Flughafen hier an. Gerüche, Geräusche, und natürlich Unmengen von visuellen Eindrücken inklusive der Sichtung eines Elefanten liessen sie erst einmal erschöpft einschlafen.

Ein Tag Campus Anschauen und Eingewöhnen, ein Tag Stadt mit den ersten zig-Metern Seidenkauf, dann machten wir uns auf den Weg nach Kodaikanal. Ich hatte Ende Januar sowieso einen Besuch geplant bei Till und nun war es für Katja eine gute Gelegenheit, mehr als nur Trivandrum und Umgebung zu sehen. Der Zug war gebucht und wir konnten wie üblich noch etwas schlafen, bevor wir gegen Mittag in Madurai ankamen. Wir bezogen ein einfaches Hotel und schlenderten durch diese alte Stadt, die mir so gut gefällt. Da der grosse Tempel bis 16h geschlossen ist nahmen wir uns Zeit im Stoffbazar, der in einem säulenbestückten ehemaligen Tempeleingang untergebracht ist. Und da wir schon so schön dabei waren, liessen wir uns von einem der vielen Schneiderlein je eine Hose mit passender Tunika schneidern. Das dauert nur ein paar Stunden und kostet je nach Stoff 10-12CHF.

Nach dem Tempelbesuch ein leckeres Abendessen und ein Bier auf der Dachterrasse eines Hotels mit Blick auf den Tempel. Am Samstag Morgen dann mit dem Bus die bekannte Fahrt hinauf nach Kodaikanal. In Madurai war es warm, aber wie immer viel trockener als in Trivandrum und zu meiner Verwunderung war es auf dem Berg immer noch strahlend blau und angenehm warm. Ich hatte Katja vor dem kühlen und oft nebligen Klima dort gewarnt und wir hatten die Fliessjacken dabei, aber es war dann zwei Tage reinstes T-Shirt Wetter.

Till war noch beim Sport und so zeigte ich Katja das Städtchen. Zuerst besuchten wir wieder die Frauen-Schneiderkooperative und spontan fielen uns Dinge ein, die wir uns eigentlich machen lassen könnten (wie z.B. Geschirrtücher oder ein leichter Pyjama. Dann trafen wir Till und spazierten über das Schulgelände und schliesslich zu seinem Lieblingsrestaurant (da nicht indisch!). Katja hatte Reis mit Gemüse, ich einen Pouletburger und Till wie immer Pizza und nachher noch Nuggets.

Bereits auf dem Weg zum Hotel sehnte ich mich nach einem Schnaps, so voll und unbehaglich fühlte ich mich. Hätte ich ihn dann trinken können, wäre mir vielleicht eine sehr unangenehme Nacht erspart geblieben. Erst ich, dann Katja verbrachten viel Zeit im Badezimmer, um alles wieder los zu werden, was wir abends zu uns genommen hatten. Für mich war es das erste Mal in Indien, dass ich wirklich etwas nicht vertrug. Allerdings blieb uns bis heute ein Rätsel, was es gewesen sein könnte, denn Till verbrachte eine störungsfreie Nacht und wir hatten ja Verschiedenes gegessen.

Sonntag morgens wir also mit wackligen Beinen über den Markt, immer mal wieder Tee getrunken und ich noch mal ein Stündchen geschlafen im Hotelzimmer, das uns netterweise etwas länger überlassen wurde. Denn da wir beide so erzogen wurden, dass das, was einen nicht grad umbringt, einen eigentlich nur stärker macht und man sich sowieso nicht so ernst nehmen soll, kam uns der Gedanke, vielleicht noch eine Nacht in Kodaikanal zu verbringen und auszukurieren, nur ganz kurz. Wir gingen ins Reisebüro und buchten wie geplant für den gleichen Abend einen Nachtbus nach Kochi an der Keralischen Küste. Nach meiner Erfahrung mit dem Sleeper Bus (an dieser Stelle beschrieben) buchten wir einen sogenannten Semi-Sleeper, d.h. mit Sitzen, die man nach hinten klappt wie im Flugzeug.

Wir trafen Till nochmals, spazierten am See entlang und genossen die Sonne, bevor wir zum Busbahnhof gingen. Dort standen schon einige Busse, allerdings nur Sleeper, was uns aber nicht nervös machte, da es noch etwas früh war. Viele Leute warteten, Busse kamen und gingen und 20 Minuten nach unserer eigentlichen Abfahrtszeit fragten wir dann doch mal im Reisebüro nach, wie und wann denn nun. Da erst erhielten wir die Nachricht, dass wir keinen durchgehenden Bus hätten, sondern in Palani umsteigen müssten. Palani liegt ca. 2,5 Stunden Fahrt am Fusse der Berge Richtung Norden (während ja Madurai im Osten liegt) in einem Tal. Durch das Tal, das durch die Westghats (=Bergkette) führt, würden wir dann gen Westen nach Kochi fahren.

Umsteigen, ok, aber was mich kurz aus der Fassung brachte war, dass der erste Bus bis Palani nun doch ein Sleeper war! Katja beruhigte mich: erstens hätten wir ja nichts mehr im Bauch und zweitens habe sie Tabletten gegen Reisekrankheit dabei. Welche wir auch gleich schluckten. Denn da war er, unser Bus, und wir hatten zwei Betten, zum Glück oben. Wir lehnten uns gegen die Zwischenwand und versuchten, raus zu gucken. Zuerst war es noch hell, aber nach einer kurzen halben Stunde stockdunkel. Katja sass am Fenster und hielt sich krampfhaft an einer Stange fest. Ich lag daneben und stützte mich mit den Füssen am Fussteil ab.

Der Busfahrer hatte wahrscheinlich eine Wette abgeschlossen, dass man die Fahrt Kodaikanal - Palani in weniger als zwei Stunden machen kann. Nur so können wir uns erklären, warum er derart schnell und rücksichtslos um Kurven und vor allem durch Löcher und über Baustellenabschnitte ohne Asphalt bretterte. Wir wurden hin und her geworfen, Wasserflaschen flogen durch die Luft und bald hörte man auch aus anderen Abteilen deutliche Geräusche des Unwohlseins. Die Strasse besteht nur aus Haarnadelkurven, zum Teil so eng, dass der Bus zweimal vor und zurück manövrieren muss, um herum zu kommen. Der Höhenunterschied geht von 2100m bis ca. 500m.

Der Fahrer gewann die Wette. Nach knapp zwei Stunden waren wir unten. Aber wie! Katja hatte irgendwann aufgeben und die vorbereitete Tüte doch benutzen müssen. Ich hatte die bewährte Technik angewandt und Musik gehört. Wenn ich mich ganz stark auf die Musik konzentriere, denke ich nicht über die Bewegungen des Buses nach und lasse mich wohl entspannter mitgehen. Ich musste mich nicht übergeben, allerdings war mir sehr schwummrig, als ich ausstieg. Die Busse gehören Privatunternehmen, die irgendwo kleine Büros haben und dort ist auch gerade der "Busbahnhof". Es war in diesem Fall eine dunkle Strasse, weit und breit kein Lokal. Wir hatten dank dieser Fahrkünste fast zwei Stunden Aufenthalt.

Was wir uns als nette Unterbrechung und Gelegenheit für ein gutes Abendessen vorgestellt hatten, wurde nun zu einer dringend nötigen Verschnaufpause. Wir wankten mit unserem Gepäck die Strasse entlang und fanden endlich ein kleines Café, das unsere Rettung verkaufte: Zwieback! Wir stürzten uns auf die Packung und assen sie fast leer. Dazu ein Tee und schon ging es besser. Aber uns graute vor der Weiterfahrt, wir wussten nicht genau, ob wir die Kurven wirklich hinter uns gelassen hatten.

Wir liefen zurück und setzten uns an der stinkenden Bushaltestelle auf zwei wackelige Stühle, um auf den Bus zu warten (Bild ganz unten). Mit Verspätung kam er und wir bezogen unsere Semi Sleeper Sitze in der ersten Reihe. Was für ein Unterschied! Katja zog zwei kleine Einschlafhilfen hervor und tatsächlich: wir beide schliefen bis zu unserer Ankunft 5 Stunden später. Leider war nun noch nicht mal 5 Uhr morgens und wir konnten noch nicht ins Hotel. Der Rickshaw Fahrer kannte aber ein Restaurant, das schon offen hatte und nun konnten wir tatsächlich wieder Kaffee trinken und ein Gebäck essen. Es ging uns deutlich besser.

Nachdem wir unser Gepäck im Hotel abgegeben hatten - aber unsere Zimmer natürlich noch nicht beziehen konnten - galt es wieder, Zeit sinnvoll zu nutzen. Wir fuhren mit der Fähre zu einer Kochi vorgelagerten Insel, bestiegen den Bus und liessen uns zu einem traumhaften, kilometerlangen Strand fahren. Dort zweites Frühstück, dann zurück und nun endlich ins Zimmer und unter die Dusche.

Der Tag schien uns unendlich lang: wir erkundeten Fort Kochi, Mattancherry, das alte jüdische Viertel mit der 300 jährigen Synagoge, den Holländischen Palast und v.a. viele Antiquitätenläden. Abends ein leckeres Essen im wunderbaren Garten des Old Harbour Hotels, am Dienstag dann mit dem Zug zurück nach Trivandrum. Zwei Tage blieben Katja, um nochmals in Kovalam Schneideraufträge zu vergeben, den Strand zu geniessen und am Donnerstag mit mir frischen Fisch zu essen.

Dann waren die 10 Tage um - ich denke, wir haben viel draus gemacht! Ich weiss gar nicht, wann wir das letzte Mal zu zweit unterwegs waren - es muss ewig her sein und wir haben es beide sehr genossen.






14.2.15 18:39

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