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Englisch Kurs

Nachdem Katja wieder abgereist war stand am Valentinstag, Samstag, 14.2., nichts anderes an als mit meinen Kollegen in die Stadt zu fahren und am "One Billion Rising" Anlass in Trivandrum teilzunehmen. Dieser wird in vielen Städten der Welt durchgeführt und will auf das anhaltende Problem der Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.

Zwischen Tempelanlage und Bazar Road liegt der Ghandi Park, ein kleines Rondell etwa von der Grösse des Sechseläutenplatzes am Bellevue. An einer Seite eine Bühne mit einem steinernen Ghandi dahinter, der sicher im Laufe der Jahre dort schon einiges gesehen hat. Eine bekannte Fernsehmoderatorin führte durch den Abend. Es traten verschiedene Frauenorganisationen auf, u.a. auch eine der wenigen Trommel- und Tanztruppen, wo Männer und Frauen gemischt spielen.

Vieles war rührend amateurhaft, einiges - z.B. ein kurzes Theaterstück einer Studententruppe über die vielen Benachteiligungen von Mädchen und Frauen - aufrüttelnd realistisch. Interessant war auch das Publikum. Um die Bühne herum sassen mehrheitlich Frauen, viele junge, teils Familien, die die Darbietungen verfolgten und beklatschten. Dahinter, auf den Wegen durch den Park, standen vor allem viele Männer und betrachteten die vielen Frauen. Ich bezweifle, dass sie mit dem Anliegen des Abends irgendetwas am Hut hatten.

Nach drei Stunden hatten wir genug gesehen und fuhren zum Campus. Wir mussten uns auf den Intensiv-Englischkurs vorbereiten. Den führten wir ja zum ersten Mal durch für Inder aus sozial schwierigen Verhältnissen, die sich eventuell für unser 7-monatiges Programm interessieren, aber nicht genug Englisch sprechen.

Am Montag reisten die 20 Personen an, mehr Frauen als Männer, aus 7 Bundesstaaten (Kerala, Tamil Nadu, Goa, Karnataka, Odisha, Andhra Pradesh, Madhya Pradesh). Der Anmeldevorgang war chaotisch verlaufen. Wir hatten die Leute über bekannte NGOs/soziale Organisationen genannt bekommen, von denen wir wissen, dass sie mit Menschen aus den uns interessierenden Gruppen zusammenarbeiten. Wir wollten eigentlich übers Telefon ein kurzes Interview führen, um herauszufinden, wie der Stand des Englischen ist. Leider wurden aber die Teilnehmer im Laufe der letzten drei Wochen so oft ausgetauscht, annulliert und neu angemeldet, dass wir völlig den Überblick verloren und einfach hofften, der Level der Sprachkenntnisse sei halbwegs der Gleiche.

Es stellte sich heraus, dass eigentlich nur zwei Damen mit sozusagen Null Kenntnissen anreisten - wohl in der begründeten Hoffnung, irgendetwas an Englisch mit nach Haus zu nehmen. Eine Hand voll ist schon recht gut im Reden, die meisten dazwischen taten sich anfangs sehr schwer. Wir liessen sie gleich am zweiten Tag eine kleine Rede halten, die wir aufzeichneten. Dies wird nun am Dienstag wiederholt und wir hoffen, dass der Unterschied deutlich sein wird.

Da wir alle keine ausgebildeten Lehrer sind, haben wir relativ unkonventionell einen Plan für die 10 Tage zusammengestellt, der je aus 5 Blöcken bestand: 1. morgens etwas Grammatik, 2. angewandte Grammatik (mein Teil), 3. nach dem Mittag kreativer Teil mit Singen und Spielen, 4. Diskussionsteil mit Vokabular über soziale Themen, 5. nach dem Abendessen Englischer Filmabend. Als ich letzte Woche mit Ella skypte haben wir Tips für Englischunterricht ausgetauscht. Sie unterrichtet thailändische Kinder zwischen 8 und 14, wir Erwachsene. Aber die Methoden waren ziemlich ähnlich.

Sehr berührend ist, dass sie unglaublich dankbar für diesen kostenlosen Kurs sind und sich begeistert auf alles, sogar Grammatik, einlassen. Keiner hat sich je beschwert oder war schlechter Laune, jeder hilft dem anderen und es wird viel gelacht. Ihre individuellen Geschichten - alle gehören der untersten Kaste an, viele haben schwierige Lebensumstände - kamen am Freitag zutage, als jeder mit 20 Sätzen eine kleine Geschichte schreiben sollte und wir natürlich harmlose Themen wie Tiere, Natur oder Freundschaft erwarteten. Stattdessen waren einige richtig deprimierend mit Alkoholismus, Ertrinken in der Flut oder sterbenden Kindern. Da war es schwierig, ein lächelndes Gesicht beizubehalten, zumal wir spürten, dass dies viel mit ihnen zu tun hatte.

Heute hatten sie frei. 12 von ihnen, die aus dem nördlichen und mittleren Indien kommen, fuhren nach Kanyakumari an das Südkap Indiens. Es ist für viele Inder wohl ein Traum, einmal dort zu stehen und die Drei Meere zusammenfliessen zu sehen. Andere waren in der Stadt im Zoo und beim Einkaufen. Viele hatten eine ganze Wunschliste von Verwandten mitbekommen von Dingen, die man wohl nur in Kerala bekommt.

Am Dienstag wird also nochmals ihre Rede gefilmt, am Mittwoch gibt es noch einen kulturellen Teil, am Donnerstag ist Abreise und dann hoffen wir, dass sich 2 oder 3 für eine Anmeldung bei kanthari entscheiden. Wir haben bereits 21 neue Teilnehmer fix bestätigt, aber Inder sind eigentlich immer willkommen.

22.2.15 17:01

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